Erfahrungsberichte ehemaliger Schülerinnen und Schüler

Nach 44 Jahren war ich im September 2024 zu einem Treffen mit Schulkameraden in Feldkirchen. Es hat sich einiges getan dort. Wir haben in der Gruppe übereinstimmend festgestellt, dass uns die Zeit in der Schule dort sehr gutgetan hat. Sie hat viele positive Wege für unser weiteres Leben eröffnet. 
Ich war von Oktober 1978 bis Juni 1980 dort Internats-Schülerin. Zuvor habe ich von 1968 bis 1978 die Grundschule und das Gymnasium für Sehende besucht. Dort hat sich über die Zeit enormer Frust aufgebaut, weil die Lehrer keine Rücksicht auf mich und meine Sehschwäche genommen haben. Mein Selbstwertgefühl ging gegen Null. Das Endresultat war der Abgang vom Gymnasium ohne Abschluss. 
Nach einem Besuch beim Arbeitsamt in Neuwied habe ich erfahren, dass ich die Blindenschule besuchen darf. Dort bin ich in den zweijährigen Bildungsgang Wirtschaft eingestiegen. Mit Unterstützung der dortigen Lehrer konnte ich das Wissen aus dem BGJ aufholen und meinen guten Abschluss machen. Auf Grund der speziellen Hilfsmittel die dort verfügbar waren, habe ich das alles geschafft. 
Ohne diese Einrichtung wäre ich nicht das geworden, was ich heute bin. Durch die Förderung dort habe ich ein ganz anderes Selbstwertgefühl bekommen und das Lernen machte endlich Spaß. Die Zeit im Internat möchte ich nicht missen. Das war für mich eine sehr gute Erfahrung. 
Mein Fazit: Ich bin den Lehrerinnen und Lehrern in der Schule und den Erzieherinnen und Erziehern im Internat sehr dankbar und kann beides nur empfehlen! 
Lieber mal weiter von zu Hause weg sein, als ewig Frust schieben wegen nicht ausreichender Förderung!

Mein Name ist Anja Frenzel und ich war in o. g. Zeitraum als Internatsschülerin in Neuwied als Sehbehinderte untergebracht, mit dem Ziel des Erreichens der Berufsfachschulreife (früher Handelsschule Wirtschaft und Verwaltung). 
Ich kam damals nach dem 9. Schuljahr von einer Regelschule (Hauptschule) nach Neuwied. Ich war 15 Jahre alt und durch Mobbingattacken aufgrund meiner schlechten Augen, sowohl vollzogen durch Mitschüler als auch durch Lehrpersonal, mental in einem psychisch schlechten Zustand. Ich habe mich damals nicht mehr getraut, auf Menschen zuzugehen, geschweige denn mit ihnen zu kommunizieren. So musste ich das erste halbe Jahr damals im BGJ (Berufsgrundschuljahr) in Neuwied erst mal „für mich selbst ankommen“ und neu lernen, eigenverantwortlich für mich einzustehen und wieder Achtung und Respekt vor mir selbst zu haben. 
Bereits nach drei Monaten konnte ich feststellen, dass ich mit den Hilfsmitteln, welche ich in Neuwied erstmalig kennengelernt habe, mit der Unterstützung des sehr sympathischen und empathischen Lehrpersonals und durch die Erfahrung, „dass auch andere Menschen das gleiche Problem mit den schlechten Augen haben, so wie ich“, es sich für mich wieder nach „Leben“ angefühlt hat. 
Ich konnte beweisen, dass ich auch mit schlechten Augen meine Intelligenz ausleben konnte, und es wurde alles mit jedem Tag besser. Wir waren damals eine Klasse mit 12 Schülerinnen und Schülern, davon zwei blind und einer mehrfachbehindert. Wir waren in dieser Klasse ein tolles Team, wir haben zusammen gelernt, zusammengehalten, unsere Freizeit effektiv und angenehm gestaltet und haben viele schöne Dinge erleben dürfen. Dies hat uns zum einen sehr selbständig werden lassen und zum anderen auch fit gemacht für das Berufsleben da draußen. 
Hier musste ich ab 1984 als Auszubildende in der Kreisverwaltung in meiner Heimatstadt feststellen, dass es wieder mal schwierig war, mich unter den Normalsehenden zu behaupten. Hätte ich diese Grundfestigung für mein weiteres Leben in Neuwied nicht erlangen können, auch nicht zuletzt durch das Leben als Internatskind, wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt tatsächlich angekommen bin. Ich habe eine Ausbildung absolvieren können als Verwaltungswirtin und bin heute einfach nur glücklich und dankbar, ein Teil der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte in Neuwied gewesen zu sein. Für mich selbst wurde, wenn ich die Inklusionsgegebenheiten von heute betrachte, in dieser Einrichtung der Grundstein für mein Leben gelegt. Ich habe in Neuwied gelernt, wieder Achtung vor mir selbst zu haben und auch dabei nicht andere Menschen außer Acht zu lassen. Ich bin heute 58 Jahre alt, seit 34 Jahren glücklich verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Auch nicht zuletzt durch meine Zeit in Neuwied habe ich es geschafft, ein bodenständiges und gutes Leben zu führen. 
Ich schreibe Ihnen heute diese Zeilen, weil ich mir wünsche, dass die besonderen Bedürfnisse eines heranwachsenden Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft eine angemessene Berücksichtigung finden, und nicht nur jeder von Inklusion spricht, sondern diese auch auf die individuellen Bedürfnisse eines Kindes angewendet wird. Eine Verallgemeinerung, gerade in Bezug auf dieses spezielle Thema, ist hier einfach fehl am Platz. Und ich hoffe, dass meine Zeilen hier etwas bewirken können. Meines Erachtens nach – und nicht zuletzt in Bezug auf meine eigenen Erfahrungen als Kind einer Regelschule in den 1970er Jahren –, sind Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung gerade in der heutigen oft sehr schwierigen und interkulturellen Gesellschaft oft der Willkür dieser Gesellschaft ausgesetzt. 
Ich bedanke mich auch heute noch für die für mich sehr wertvolle Zeit, die ich in Neuwied verbringen durfte. Sie hat mein Leben nachhaltig und positiv geprägt.

Ich möchte mich kurz vorstellen: Ich heiße Stefan Diederichs, bin 58 Jahre alt, wohne in der Eifel, arbeite als Bankkaufmann (seit 40 Jahren) und habe die Schule für Blinde und Sehbehinderte in Neuwied von 1971 bis 1984 besucht. Ich habe dort den Kindergarten, die Grund- und Hauptschule, das Berufsgrundschuljahr und die zweijährige Berufsfachschule (Wirtschaft und Verwaltung) durchlaufen. 
Von meinem Sehen her (20 %) war ich in der Lage mich frei zu bewegen (ohne Begleitung) und im Schulunterricht bin ich ohne Hilfsmittel klargekommen. 
Ich bin zuhause (5 Geschwister, Eltern und Freunde) behütet aufgewachsen. Welches Kind möchte dann mit 5½ Jahren in ein Internat „weit“ weg? In den ersten Jahren konnten wir nur zu den Ferien heim. Dies hat sich Mitte der 1970er Jahre dann aber geändert. 
Ich hatte immer wieder Klassenkameraden, die von Neuwied aus zurück in ihre Schulen vor Ort gegangen sind (sie haben aber auch besser gesehen als ich). Wie es ihnen ergangen ist, was aus ihnen wurde, weiß ich nicht! 
Auch bei mir kam dann jedes Mal wieder der Wunsch, auf die Schule in Neuwied Richtung Heimat verlassen zu wollen. Ich war damals zwischen 10 und 12 Jahre alt und bin heute froh, dass meine damaligen Klassenlehrer Helmut Fischer und Heinz Winkens mich davon überzeugten zu bleiben. 
Ich kann nur sagen, zu meiner Zeit in Neuwied hatte ich tolle Kameraden, Mitschülerinnen und Mitschüler, Erzieherinnen und Erzieher und Lehrkräfte. Ein tolles Angebot an Freizeitgestaltung (Fußballplatz, Turnhalle, Schwimmbad, Kraftraum, Kegelbahn und im Internatsgebäude Kicker, Billardtisch und Tischtennisplatte). Ich konnte meine sportlichen Ambitionen voll ausleben. Meine schulischen Leistungen waren zum Ende meiner Schulzeit nicht schlecht und so hatte ich eine wirklich tolle Zeit in Neuwied die mich geprägt und vor allem auf die Zeit danach sehr gut vorbereitet hat. 
Ich habe dann meine zweijährige Banklehre gemacht und die ganz normale Berufsschule besucht. Dort saß ich in der ersten Reihe und bei dem Lerntempo (verkürzte Ausbildungszeit) war es für mich nicht immer einfach dem Unterricht zu folgen. Hier war kein Platz, um auf meine Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen! Egal, ich habe es durch Anstrengung und Fleiß geschafft meine Prüfung zum Bankkaufmann abzulegen und dass, ohne zusätzliche Prüfungszeit etc. in Anspruch zu nehmen. 
Im Nachhinein gebe ich zu, dass ich an dieser Stelle einen „falschen“ Ehrgeiz entwickelt habe, d. h. ich hätte zum Berufsschulunterricht und zur Prüfung besser die Hilfen angenommen, die mir zugestanden hätten! 
Genau hier sehe ich das Problem bei vielen Eltern. Sie überschätzen die Fähigkeiten ihres behinderten Kindes! Wir reden nicht von Intelligenz, sondern darüber, ob durch die Behinderung das Kind dem Unterricht in der Schule folgen kann oder nicht. 
Fazit: Ich bin sehr dankbar für die Zeit, die ich in Neuwied verbringen durfte. Ohne diese Einrichtung wäre ich heute nicht so integriert, akzeptiert und im Leben angekommen! Außer meiner Mobilität fehlt es mir an nichts!

Beginnen wir mal mit meinem Augenleiden: Ich habe eine Sehnervatrophie. Das bedeutet eine Sehkraft von ca. 10 % beidseitig und ein stark eingeschränktes Gesichtsfeld.
Ich kam als Zwillingsgeburt zur Welt. Ich wog nur 1.750 Gramm. Ich kam direkt in den Brutkasten. Man sagte, der Sauerstoff hat meinem Sehnerv geschadet. Ob es der Sauerstoff war oder etwas Anderes dafür sorgte, dass mein Sehnerv nicht richtig ausgeprägt ist, weiß ich nicht. So hieß es in der Kindheit immer wieder, „der sieht das nicht“, „der sieht das nicht“. Dieser Satz verfolgte mich, er war stark mit Scham belegt. 
In der Grundschule, erste oder zweite Klasse, kam immer mal wieder eine Frau vom Jugendamt, die wollte, dass ich nach Neuwied gehe. Meine Mutter blieb bei ihrem Standpunkt: „Ich reiße die Zwillinge nicht auseinander“. So landete mein Fall wohl bei den Akten. 
Dann kam der Tag, an dem sich die Wege der Zwillinge trennten. Mein Bruder ging in die Realschule, ich in die Hauptschule. Die nächsten 5 Jahre, im Alter zwischen 10/11 und 15/16 Jahren, waren der Tiefpunkt in meinem Leben: Zwei epileptische Anfälle, ständige Hänseleien, Ausgrenzung, kaum Unterstützung der Lehrer, schlechte Noten usw. prägten diese Zeit. Im Zeugnis stand immer der Satz: „Rückt aus pädagogischen Gründen in die nächste Klasse vor“. 
DAS MACHTE KRANK! 
Die Hauptschule war zu Ende, und was nun? Es verging fast ein Jahr, mit Berufsberatung, Arbeitserprobung, psychologischen Gesprächen, mit dem Ergebnis: Kaufmännische Ausbildung im Heinrichshaus in Engers. 
Die Ausbildungsleitung in Engers machte, auf Grund meiner Zeunisse, folgenden Vorschlag: „Zur Verbesserung des Hauptschulabschlusses empfehlen wir das BGJ Wirtschaft an der Schule für Blinde und Sehbehinderte in Neuwied."
Das war der Wendepunkt!